Manuel Antonio, die Erkenntnis dass die Welt ein Dorf ist und ein paar Nächte im Dschungel von Puerto Viejo

Manuel Antonio, die Erkenntnis dass die Welt ein Dorf ist und ein paar Nächte im Dschungel von Puerto Viejo

Auf der neunstündigen Fahrt nach Quepos checken wir Unterkünfte auf verschiedenen Plattformen, entscheiden uns schlussendlich gegen das Hostel mit Bettwanzenalarm, wenn man den letzten Bewertungen Glaube schenken mag und für einem abgelegeneres und nicht ganz zentrales familienbetriebenes Gästehaus mit nur wenigen Zimmern. Umso größer der Zufall, dass mich genau hier am nächsten Morgen jemand anspricht und fragt „Sagt mal ihr kommt doch aus Aschaffenburg?“ – wie verrückt fühlt sich das an, so weit weg von daheim zufällig jemanden zu treffen, der irgendwann mal vor 15 Jahren in die Parallelklasse ging!? Es zeigt auf jeden Fall mal wieder, dass an der Aussage „Die Welt ist ein Dorf“ auch irgendwas dran ist.

Manuel Antonio ist einer der beliebtesten Nationalparks in Costa Rica. Tolle Strände, grüner Dschungel, beeindruckende Felsen, die aus dem Wasser ragen. Die Tierwelt hier gibt so ziemlich alles her, was Zentralamerika zu bieten hat. Dass der Park zu den beliebtesten zählt macht sich sofort bemerkbar – es sind unheimlich viele Reisegruppen unterwegs und wundern würde es uns nicht, wenn sich die tierischen Bewohner wegen der Menschenmassen auch versteckt halten. Um die Tiere zu schützen bleibt der Park jeden Montag geschlossen und täglich werden nur 600 Tickets verkauft. Auf einen Guide verzichten wir, denn es ist kaum zu übersehen, wenn irgendwo ein tolles Tier gesichtet wurde. Einfach dort die Augen offen halten, wo sich ein dicke Menschentraube mit Fernrohren, Kameras und begeisterten WOW-Rufen sammelt.

Neben den Faultieren, Affen & Co. sind unsere Highlights außerdem deutsche Reisegruppen beim Tierspotting: Sie, beim Versuch ihm ein Faultier im Baum zu zeigen: „Manfred! Schau doch da oben! Da oben – Stamm – links – wachsen Äste raus! Genau da hängt es!“ Oder der Kommentar beim Anblick eines fressenden Tieres. Er: „Es isst!“, Sie: „halb 12 isses!“ Herrlich!

Nachdem wir ein paar Tage in und um Quepos verbracht und ein paar Strandtage eingelegt haben, führt uns unser Weg das erste Mal nach San José. Die Hauptstadt, von der wir nun schon aus verschiedensten Richtungen gehört haben, dass sie weder schön noch sehenswert sein soll, jeder Reisende in Costa Rica aber wohl mindestens einmal in den sauren Apfel beißen und einen unfreiwilligen Stopp einlegen muss, wegen unpassender Busverbindungen. Hier sind wir also – und der erste Eindruck ist gar nicht mal so verkehrt. Leider haben wir einen stürmischen Regentag erwischt und entscheiden uns statt einem Bummel durch die Innenstadt und den Park kurzerhand doch für ein Shopping Center in der Nähe, um ein paar Besorgungen zu machen – die ersten Kleidungsstücke schreien danach, ausgetauscht zu werden. Zwar sind wir nicht besonders erfolgreich in Sachen Shopping, dafür nutzen wir die Getränkeauffüllstation im Foodcourt in vollen Zügen aus, tüfteln die perfekte Spezi-Mischung aus, füllen so oft auf, bis uns schlecht wird und ich mich schon fast dafür schäme gerade typisch deutsch zu sein 🙈

Schon am nächsten Morgen geht es weiter zu unserem letzten Halt in Costa Rica: Puerto Viejo an der Karibikküste. Manuel hat am Abend vorher noch einen absoluten Glücksgriff in Sachen Unterkunft gelandet und uns ein Air BnB im Dschungel gebucht. Im Nachbarort von Puerto Viejo, nur einen Kilometer von der belebten Hauptstraße entfernt, haben Ole und Max (die Vermieter) dort ein wunderbares Fleckchen Erde zu ihrer ganz persönlichen Oase gemacht. Für uns bisher mit Abstand die tollste Unterkunft auf dieser Reise und ein Highlight für sich. Das Häuschen ist umgeben von Dschungel und fast macht es den Eindruck, als würde dort die Natur mit dem Lebensraum der Menschen und deren Haustiere verschmelzen. Ein so friedlicher Ort, der uns schon in den ersten Minuten nach Ankommen einfach tief zufrieden macht. Wir werfen unsere eigentlichen Pläne, den Cahuita Nationalpark zu besuchen, über Bord und verbringen stattdessen mehr Zeit in unserer Unterkunft. Wir saugen die Atmosphäre ein, werden jeden Morgen um 4:30 Uhr von einer Brüllaffen-Familie geweckt, die sich ihren Weg vorbei am Haus bahnt (dafür, dass sie so klein sind, können sie unglaublich laut werden. Die Schreie der Brüllaffen sind teilweise in bis zu 5 Kilometern Entfernung noch auszumachen).
Wir beobachten fasziniert Affen, Tucane, Eichhörnchen und Co bei ihrem Frühstück an den Obstbäumen um unser Häuschen, während wir selbst vor einer dampfenden Tasse mit frischgeröstetem Kaffee sitzen und die Beine von der Plattform unserer Terrasse hängen lassen und blättern im Tier- und Pflanzen-Lexikon um unsere Entdeckungen gleich zu identifizieren.

Nächster Stopp: Panama!

Man hat ein wenig das Gefühl, dass Backpacker nicht das Publikum sind, auf das Land ausgelegt ist. Viel mehr auf Amerikaner oder Westler, die ihren dreiwöchigen Urlaub dort verbringen, mit Mietwagen und genug Kleingeld in der Tasche für Ausflüge und Co – die in eine komplett andere Welt eintauchen, ohne auf den gewohnten Komfort verzichten zu müssen. Wir fühlen uns einerseits willkommen, dennoch haben wir nicht diese besonderen Erlebnisse mit Einheimischen, wie wir sie in den nördlicheren Ländern hatten. Wir schwimmen mit dem Strom, mit tausenden anderen Touristen. „Abseits der Touristenpfade“ ist schwierig in Costa Rica. Die Ticos selbst sind nicht unfreundlich, ganz und gar nicht. Trotzdem kommt man nicht so richtig ran, es entstehen keine intensiveren Gespräche, in denen man das Gefühl hat etwas vom „real life“ mitzubekommen. Manuel meinte während einer Busfahrt: „Ich glaube, die Ticos sind ein bisschen die Deutschen unter den Zentralamerikanern. Wieder etwas steifer und strenger als ihre nördlichen Nachbarn, mehr Regeln und ein bisschen zu viel Ernsthaftigkeit.“ – das beschreibt es ganz gut. Dennoch hatten wir eine tolle Zeit in Costa Rica und wollen auf keinen Fall ein Negativ-Resümee ziehen. Die Artenvielfalt ist so groß, wie in keinem anderen Land der Welt, was besonders auf die Größe des Landes gesehen schon sehr beeindruckend ist. Natur und Tierwelt hat uns unzählige Male Gänsehaut beschert, und irgendwann werden wir bestimmt nochmal wieder kommen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Liebe Resi und Manu, vielen Dank für Euren tollen Block, wieder eine schöne Mittagspause mit Euren Texten verbracht. am liebsten will man gleich FA machen und ab ins nächste Reisebüro. Geniest Eure Zeit, wenn ihr überhaupt nochmal zurück kommt.
    Dank das ihr uns daran teil haben lasst. LG Bine

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